Mike Wiedemann - Berichte 2021


Rallye Du Maroc

Prolog

Eine Menge langsamere Fahrer vor mir die ich überholen musste! Nichts riskiert und keine Fehler gemacht

 

Etappe 2 

Was für ein Tag! Habe nichts riskiert und keine Fehler gemacht und auf einmal war ich in den Top 5. Zu Beginn hatten wir einen heftigen Sandsturm, die Sicht war gleich Null, das war der Wahnsinn. Danach ging es in die Dünen wo ich eine Menge Zeit gutmachen konnte! Die Dünen liegen mir viel besser als die schnellen Passagen mit den großen Steinen. Da bin ich einfach viel zu vorsichtig - aber nicht schlimm, ich muss an einem Stück bleiben. Nach 180 km hatten wir einen Tankstopp und ich dachte es ist gleich vorbei, da sagten sie mir es sind nochmal 120 km danach wurde es richtig richtig schnell, zum Teil über 150 km/h! Ein Fahrer stürzte vor mir heftig und wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert, daraufhin hab ich das Gas extrem raus genommen. Meine Ohrstöpsel hab ich nach dem Refueling auch noch vergessen rein zu machen, meine Ohren haben geblutet! Das kann man sich gar nicht vorstellen wie laut die Kiste ist. Am Ende hab ich mich noch festgefahren im Sand, da eine Gruppe Kamele plötzlich vor mir stand und ich anhalten musste. Der Sand ist so weich, da kam ich kaum noch raus! Die letzten 10 km Etappe habe ich dann einen Konkurrenten am Seil ins Ziel gezogen, dem ist der Motor fest gegangen. Ich dachte, wenn ich mal Hilfe brauche bin ich auch froh wenn mir jemand hilft. So im Großen und Ganzen ein mega Tag und ein großes Abenteuer. Mein Kopf raucht nach 8 Stunden im Sattel bei über 40°C und 450 Kilometern! Morgen geht's weiter.

 

Etappe 3 (600km)

Heute war ein sehr langer und anstrengender Tag für mich. Um 6 in der Früh ging es los und um 15 Uhr war ich im Ziel ! Ich ging als 4er ins Rennen und blieb wie gestern sturz- & Fehlerfrei. Die Strecke war extrem schnell heute und ich musste einige Jungs ziehen lassen, da ich den Speed einfach nicht gehen wollte, bzw. nichts riskieren wollte. Ich glaube die ersten 60 km war ich nicht einmal unter 110 km/h. Das ist echt der Wahnsinn - manchmal frag ich mich echt was ich hier eigentlich mache, nur Gestörte! Wer schonmal mit 160km/h durch die Wüste gefahren ist, weiß wovon ich spreche! Und nicht bequem auf der Straße, wo alles eben ist, nein das Bike pendelt von links nach rechts und man muss jedem noch so kleinen Stein ausweichen. In den Dünen konnte ich zwischenzeitlich dann wieder ein bisschen Zeit gut machen und zum Ende hin ging es nochmal 100 km durch steiniges Geläuf, wo ich das Gas wieder ein bisschen rausnehmen musste. Unter anderem aber weil mir meine Handgelenke und meine rechte Hand so weh getan haben, dass ich kaum den Lenker noch halten konnte. Da habe ich gemerkt, dass mir die letzten 8 Wochen auf dem Bike fehlen, aufgrund meiner Verletzung ! Körperlich und mental bin ich aber noch 100% fit, das ist schonmal wichtig.  P12 heute und P7 Overall. Morgen wieder über 600 km.

 

Etappe 4

Heute standen wieder über 600 km auf dem Programm! Letzte Nacht hatte ich solche Schmerzen in den Handgelenken, dass ich heute ohne Schmerztabletten nicht mehr fahren konnte. Trotz der Schmerzen hatte ich mich heute morgen recht gut gefühlt auf dem Bike und so konnte ich gleich zu Beginn in einen guten Rhythmus finden! In den ersten 50 km konnte ich schon 2 Fahrer vor mir überholen und mich absetzen. Zum Ende hin bin ich dann erneut auf 2 Fahrer aufgelaufen, mit denen ich zusammen ins Ziel fuhr. (Einer davon war Roman Dumontier, Junioren Enduro Weltmeister). Die Strecke war wie schon gestern wieder sau schnell! Ich hatte gestern Abend die Gabel am Bike noch ein bisschen durchgesteckt, damit es stabiler auf den Geraden ist. Das hat einiges an Sicherheit gebracht. Heute sind wieder einige Fahrer gecrasht und viele haben sich verfahren. Ich blieb wieder ganz gelassen und habe meinen Rhythmus vom Anfang bis zum Ende durchgezogen, somit P7 heute. Overall P6. Zum Schluss hatte ich nochmal einen kleinen Schockmoment, als plötzlich ein Kamel hinter der Kurve stand. Ich konnte gerade noch ausweichen, was gar nicht so einfach war mit der hohen Geschwindigkeit! Das ist der Wahnsinn beim Rallyefahren, aufgrund der hohen Geschwindigkeiten muss man so konzentriert sein den ganzen Tag! Der Kopf ist am Ende des Tages mehr in Mitleidenschaft gezogen als der Körper. Und morgen geht's wieder fast 600 km aufs Bike, packen wir´s an, ich bin bereit !

 

Etappe 5

Heute lief es mal alles andere als gut. Es fing schon letzte Nacht an, als ich fast kein Auge zu machen konnte, da mir meine rechte Hand extrem schmerzte und ständig taub wurde. So ging ich heute morgen dann total verschlafen auf die 180 km lange Etappe. Ich konnte die Augen kaum offen halten, ich glaube in den 180 km habe ich 10 Menschen gesehen und vielleicht 2 Dörfer. Das kann man sich gar nicht vorstellen, da manchmal einfach 100 km gar nichts, nicht einmal eine Tankstelle kommt. So jetzt aber zum Rennen. Die ersten 50 km konnte ich wieder ein guten Speed gehen und mit den Top Jungs mithalten. Nach CP2 lag ich in den Top 8, dann kam die große Überraschung: mein Roadbook ist gerissen und ohne Roadbook kann man eigentlich nicht mehr weiter fahren. Anstatt es kurz zu flicken dachte ich, ich fahr dem Fahrer vor mir hinterher, da ich wusste er hat eine gute Pace! Das ging auch alles gut bis zu KM 140, wo er sich komplett verfahren hatte und ich ihn auf einmal nicht mehr sah und ich stand da wie ein Trottel. Das kann man sich gar nicht vorstellen, aber er war au feinmal weg und ich suchte und suchte nach der Strecke oder anderen Fahrern denen ich folgen konnte. Nach ca. 20 Minuten hab ich dann wieder jemanden gefunden mit dem ich bis zum Refueling mitfahren konnte, wo ich dann mein Roabdook flicken konnte. Das Problem war aber, dass ich nicht nur die 20 Minuten verloren hatte, nein ich hab durch die Sucherei auch noch 2 Wegpunkte verpasst, was 30 Minuten Strafe bedeutet. Somit habe ich heute ein Top 6 Overall Ergebnis weggeworfen, in der Rookiewertung lag ich sogar auf Platz 3! Im Ziel musste ich kurz die Wut rauslassen, da ich sehr sehr enttäuscht war. Trotz allem hab ich mittlerweile gelernt, wie man mit solchen Tagen umgeht und somit bin ich bereit für den letzten Tag, noch einmal 500 km, der Körper und der Kopf ist noch fit! Leider muss ich morgen ganz weit hinten starten, somit wird es schwierig, Zeit gut zu machen in dem Staub. Aber ins Ziel kommen ist the maingoal! Und in der Gesamtwertung liege ich immer noch in den Top 15 von fast 100 Teilnehmern.

 

 

Finnisher Rallye du Maroc

Einfach nur mega Happy! Trotz extremen Schmerzen in der Hand habe ich mich heute nochmal richtig gut gefühlt und konnte mehr als 15 Fahrer überholen. Leider habe ich eine Menge Zeit im Staub liegen lassen, da ich aufgrund meines verkorksten Tages gestern, heute weit hinten starten musste. Somit P9 heute und eine Menge Spaß in der Wüste auf dem Rallyebike. P 11 OVERALL von fast 100 Teilnehmern und P4 in der Road to Dakar Kategorie. Trotz dem Fehler von gestern, wo ich ein TOP 6 Ergebnisse weggeworfen habe, bin ich mehr als nur zufrieden mit dem Endergebnis, zwischen den ganzen Bigboys! Ich habe eine Menge dazu gelernt und bin ohne Sturz und fast fehlerfrei durchgefahren. Die harte Arbeit in den letzten Jahren und Monaten zahlt sich aus. Nach 2500km und fast 50 Stunden auf dem Bike brauche ich jetzt erstmal paar Tage Pause. Vielen Dank an jeden einzelnen von euch, die 1000 Nachrichten jeden Tag und ein riesen Dank an meine Sponsoren, Freunde und Familie. 

Next race @dakarrally im Januar 2022

 

25.10.2021 Text und Fotos: Mike Wiedemann